Aktuelles zu Corona

„Jetzt ist die Stunde der
Solidarität: Corona besiegen wir nur
gemeinsam – oder gar nicht.“

Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Corona-Pandemie: Unsere Verantwortung gilt erst recht in Krisenzeiten!

Corona trifft uns alle – menschlich und wirtschaftlich. Globale Lieferketten wie für Textilien drohen zusammenzubrechen. Allein in Bangladesch sind über eine Million Näherinnen betroffen. Auch viele Mittelständler in Deutschland kämpfen ums Überleben. Viele übernehmen trotz der Krise Verantwortung und stehen zu ihren Produktionsaufträgen. Wir müssen global zusammenhalten. Wir brauchen besseren Gesundheitsschutz und soziale Sicherheitsnetze in den Produktionsländern – das ist schon heute eine Lehre aus der Krise. Unser staatliches Textilsiegel Grüner Knopf steht beispielsweise für Arbeitsschutz und Mindestlöhne. Deswegen halten wir an dem Ziel nachhaltiger globaler Lieferketten fest und werden daran gemeinsam mit der Wirtschaft arbeiten. Die Produktion immer weiter zu verlagern – auf der Suche nach dem billigsten Anbieter – das kann nicht die Zukunft sein. Also machen Sie mit und kaufen Sie fair – gerade in Zeiten, in denen es auf Menschlichkeit, Verantwortung und Solidarität ankommt, bei uns und überall in der Welt!”

Dr. Gerd Müller, Bundesentwicklungsminister
Einzelnes Zitat - Dr. Gerd Müller

Unsere Welt steht Kopf.

COVID-19 BEDROHT DIE GESUNDHEIT DER MENSCHEN WELTWEIT.

Das gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Leben ist in einem Ausmaß zum Stillstand gekommen, den bis vor Kurzem noch niemand für möglich gehalten hätte. Die Covid-19-Krise trifft uns alle, aber die Schwächsten besonders hart – in Deutschland, aber vor allem in den Entwicklungsländern. Durch den Umsatzeinbruch in den Industrieländern werden Aufträge in Ländern wie Bangladesch storniert. Bereits hergestellte Ware wird nicht mehr bezahlt. Massenentlassungen sind die Folge. Jetzt wird besonders deutlich, dass ausbeuterische Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne die Näherinnen und Näher im Krisenfall in eine Existenzkrise stürzen. Der Lohn reicht kaum zum Leben und schon gar nicht, um für Notzeiten vorzusorgen. Deshalb brauchen wir Mindestlöhne und Kündigungsschutz – beides soziale Kriterien, die vom Grünen Knopf abgedeckt werden.

Unsere Verantwortung für die Menschen am Anfang der Lieferkette gilt auch und besonders in Krisenzeiten. Mit dem Grünen Knopf und dem Textilbündnis setzt sich das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) seit Jahren für eine nachhaltigere Textilindustrie ein. Dieser Einsatz wird nicht von einem Virus gestoppt. Es zeigt vielmehr, wie wichtig das Engagement ist. Das BMZ bereitet aktuell Maßnahmen vor, um die schlimmsten Folgen abzumildern.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Menschen in der Lieferkette und die globale Textilindustrie

Die Folgen in den Produktionsländern

Die Pandemie verdeutlicht dramatisch, wie abhängig wir in der globalisierten Wirtschaft voneinander sind. Lieferengpässe bei Rohstoffen aus China, der Einbruch der Bekleidungsnachfrage in Europa, China oder USA sowie Ausgangsbeschränkungen in den Produktionsländern selbst haben zu Schließungen von zehntausenden Textilbetrieben geführt. Allein in Bangladesch wurden laut Angaben des dortigen Textil-Verbands BGMEA Aufträge im Wert von rund drei Milliarden Euro storniert, wovon über zwei Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter betroffen sind (Stand 20.04.2020). In Kambodscha gab der Verband der Kleidungsproduzenten GMAC bekannt, dass 80 Prozent der Bekleidungsunternehmen Aufträge der kambodschanischen Lieferanten ausgesetzt oder storniert hätten. Diese einschneidenden Ereignisse in Textil-Lieferketten beschränken sich nicht auf einzelne Länder, sondern umfassen alle großen Produktionsländer in Asien, Zentralamerika oder Osteuropa.

Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter sind durch Entlassungen und Lohnkürzungen in ihrer Existenz bedroht. Bekleidungszulieferer aus Sri Lanka berichten, dass sie 30 Prozent ihrer Arbeitskräfte entlassen müssen. In Vietnam werden Entlassungen von 30 bis 50 Prozent der 2,8 Millionen Beschäftigten prognostiziert. In der Regel können Beschäftigte in der Textilindustrie nicht auf soziale Sicherung zurückgreifen und haben keine Krankenversicherung. Durch schlechte Belüftungssysteme und mangelnde Hygienevorrichtungen in Fabriken sowie fehlende Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall sind Beschäftigte in der Textilindustrie zusätzlich einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt.

Die Folgen für Textilunternehmen

Zur Eindämmung der Pandemie mussten bundesweit alle Textilhändler und -marken ihre stationären Geschäfte schließen. In der deutschen Textil-, Schuh- und Lederbranche sind rund 80.000 Verkaufsstellen von 33.000 Unternehmen mit einem Umsatz von annähernd 50 Milliarden Euro und 440.000 Beschäftigten von der Schließung betroffen. Das stellt die Textilwirtschaft vor massive Herausforderungen. Auch online bricht der Umsatz ein. Die Folgen sind immense Umsatzverluste und täglich zehn Millionen unverkaufte Kleidungsstücke – allein in Deutschland. Dass die Textilindustrie im Vergleich zu anderen Branchen besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen ist, zeigen die Zahlen: Laut einer Studie von McKinsey geben Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa und den USA an, ihre Bekleidungsnachfrage um mehr als 65 Prozent zu senken, während sie ihre Gesamtausgaben nur um 40 Prozent senken wollen. Auch die Online-Umsätze sind in Europa um fünf bis 20 Prozent, in den USA um 30 bis 40 Prozent und in China um 15 bis 25 Prozent gefallen. Angstkäufe dominieren das Kaufverhalten und Kleidung hat eine niedrige Priorität. Viele Textilunternehmen, besonders die klein- und mittelständischen Firmen, bangen um ihre Existenz.

Die Rolle der Verbraucherinnen und Verbraucher

Solidarität heißt im Moment Abstand nehmen – und trotzdem Nähe und Verantwortung zeigen.

Wer nachhaltig produzierte Textilien kauft, unterstützt nicht nur Näherinnen und Näher – zum Beispiel in Bangladesch, sondern auch die Unternehmen, die sich um eine sozial und ökologisch nachhaltige Herstellung bemühen. Mit dem staatlichen Textilsiegel Grüner Knopf ist nachhaltig produzierte Kleidung leicht zu erkennen. Direkt am Produkt angebracht, ist das Siegel beim Einkauf leicht zu finden – verlässlich und verbraucherfreundlich.

„Diese globale Krise ist auch ein Moment, um darüber nachzudenken, wie wir zukünftig Globalisierung gestalten wollen. Wir dürfen nicht in die alte Globalisierung zurückfallen, die auf der kurzsichtigen Ausbeutung von Mensch und Natur basiert. Die die Produktion verlagert – immer auf der Suche nach dem billigsten Anbieter. Nachhaltige globale Lieferketten müssen zum Standard werden“, sagt Bundesentwicklungsminister Müller.

Deshalb: Auch wenn Sie zeitweise nicht durch Textilgeschäfte schlendern und dort nachhaltige Marken kaufen, können Sie diese Unternehmen trotzdem weiterhin unterstützen. Zum Beispiel durch den Kauf von Gutscheinen in nachhaltigen Shops in der Nähe. Ein überlegter und nachhaltiger Online-Kauf hilft ebenso. Sie wissen nicht, wo Sie Textilien, die mit dem Grünen Knopf zertifiziert sind, kaufen können? Hier finden Sie einen Überblick über alle Unternehmen, die bereits zertifizierte Produkte anbieten.

COVID-19 und der Grüne Knopf

Wie werden Unternehmen unterstützt, die bereits zertifizierte Textilien anbieten? Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Unternehmen, die derzeit den Prüfprozess für den Grünen Knopf durchlaufen? Ist COVID-19 ein Thema für die Unternehmensprüfung (Audit)? Hier finden Sie Antworten:

Corona Virus
Gruener Knopf Corona Arbeitsschutz weiss

Unternehmensverantwortung

Auch in Zeiten von COVID-19 sind Unternehmen aufgefordert ihrer Sorgfaltspflicht in der textilen Lieferkette nachzukommen. Der Fokus richtet sich jetzt auch insbesondere darauf, dass bestehende Managementsysteme von Unternehmen in der Lage sind, die COVID-19 bedingten Risiken für Menschen und Umwelt in der Lieferkette ausreichend nachzuvollziehen und Unternehmen angemessen damit umgehen. Das schließt auch die Reflektion über getroffene Einkaufsentscheidungen ein. Lernerfahrungen aus der Krise sollten unmittelbar für Verbesserungsprozesse genutzt werden. Dies gilt es im Audit darzulegen.

GIZ Gruener Knopf Icons Unternehmen Maske

Umstellung der Produktion

Viele Unternehmen in Deutschland haben als Hilfe im Kampf gegen Corona ihre Produktion auf Masken und Schutzkleidung umgestellt. Inzwischen gibt es von verschiedenen Unternehmen Masken, die mit dem Siegel Grüner Knopf zertifiziert sind. 

GIZ Gruener Knopf Icons Remote Auddits

Prüfung der Unternehmen

Grundsätzlich finden die Auditierungen für den Grünen Knopf in einer Vollprüfung vor Ort statt. Voraussetzung ist, dass die geltenden Abstandsregelungen und Reiseeinschränkungen eingehalten werden können und Unternehmen und Zertifizierungsstelle mit einer Vor-Ort-Prüfung einverstanden sind.

Angesichts der Einschränkungen durch die COVID-19 Pandemie hat das BMZ als Siegelgeber bereits Ende April zusätzlich die Möglichkeit geschaffen, Erstzertifizierungen in zwei Stufen durchzuführen. Die erste Stufe sieht hierbei die Möglichkeit eines Remote-Audits (Fernprüfung) zur Zertifizierungsvorbereitung vor – beispielsweise über Online-Videokonferenzen. Um auch weiterhin alle geltenden ISO-Normen einzuhalten, bleibt ein abschließendes Vor-Ort-Audit in der zweiten Stufe auch in diesem Fall weiterhin erforderlich. Einige Remote-Audits konnten bereits erfolgreich durchgeführt werden.

GIZ Gruener Knopf Icons Kontrolle Lupe

Regelmäßige Kontrolle der Unternehmen: BMZ übernimmt Kosten

Die Corona-Krise belastet die Textilbranche besonders. Das BMZ übernimmt deshalb bis zum 30.06.2021 die Kosten für die regelmäßigen Kontrollen der Grüner Knopf-Kriterien – die sogenannten Überwachungsaudits.