3 Fragen an

Dr. Sönke Fischer | Assurance Service International

Sönke Fischer ist für die strategische Weiterentwicklung von ASI verantwortlich. Dies umfasst die Konzeption, Entwicklung und Umsetzung von Partnerschaften, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit von ASI mit der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS). Zuvor war er Operations Director und hat in dieser Kapazität einen tiefen Einblick in Nachhaltigkeitssiegel für unterschiedlichste Branchen gewonnen. Seit 2019 begleitet er beratend das Integritätsprogramm des Grünen Knopf. Dr Fischer hat am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Meeresökologie promoviert und hält auch einen Master of Science in Tropischer Aquatischer Ökologie von der Universität Bremen. 

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1) Was ist ein Integritätsprogramm und warum ist es für den Grünen Knopf relevant? 

Es gibt eine Vielzahl von Nachhaltigkeitssiegeln im Markt, mit unterschiedlichen Anspruchsniveaus und Überwachungsmechanismen. Dies führt zu einem wahren Siegeldschungel und zu Umweltversprechen, die Verbraucher verwirren und in die Irre führen können. Die EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel (kurz „Empowering Consumers Directive“) wurde Anfang 2024 veröffentlicht, um strengere Regeln für Nachhaltigkeitssiegel einzuführen. Ein guter Nachhaltigkeitsstandard baut auf relevanten ISO-Standards auf und ergänzt diese wo nötig, um sie für den jeweiligen Sektor und dessen Umweltherausforderungen passend zu machen. Diese ergänzenden Regeln und Maßnahmen stellen das „Integritätsprogramm“ dar. Die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS hat überprüft und bestätigt, dass die vom Grünen Knopf gemachten Ergänzungen nachvollziehbar und zielführend sind. Darüber hinaus bestätigt die DAkkS die Kompetenz und Unparteilichkeit der Zertifizierungsstellen für den Grünen Knopf. 

Ein Integritätsprogramm ergänzt also eine Akkreditierung. Integritätsprogramme können sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Oft beinhalten sie Schulungen von Auditor*innen, das Begleiten von Audits und das Prüfen von Auditberichten. Über diese Maßnahmen möchten die Siegelinhaber sicherstellen, dass ihre Standards korrekt verstanden und angewendet werden und dass die von ihnen aufgestellten Verfahrensregeln befolgt werden.  

2) Was setzt Nachhaltigkeitssiegel mit einem Integritätsprogramm von anderen ab? 

Integritätsprogramme sollen sicherstellen, dass die jeweiligen Siegel vertrauenswürdig sind. Es reicht oft nicht aus, einen Standard und ein Auditverfahren zu veröffentlichen und diese dann von Zertifizierungsstellen und ihren Auditor*innen anwenden zu lassen. Typische Probleme, die in solchen Fällen auftauchen, sind Missverständnisse in der Auslegung des Standards, nicht nachvollziehbare Zertifizierungsentscheidungen oder mangelnde fachliche Kompetenz auf Seiten des Prüfpersonals. Wenn Siegelinhaber ihre Zertifizierer und deren Auditor*innen nicht oder nur wenig beaufsichtigen, dann wissen sie nicht um mögliche Probleme und können diese nicht adressieren.  

3) Was nimmt Assurance Service International von ihrer Arbeit mit dem Grünen Knopf mit zu anderen Nachhaltigkeitssiegeln? 

Sorgfaltspflichten für die Lieferketten finden immer mehr Eingang in Nachhaltigkeitssiegel unterschiedlichster Branchen und in Gesetzgebungsverfahren. Dank des Grünen Knopfes kann ASI sein technisches Wissen zu Sorgfaltspflichten weiter vertiefen. Darüber hinaus haben wir den Grünen Knopf darin unterstützt, die Akkreditierungsfähigkeit durch die DAkkS bestätigen zu lassen. Das hierdurch erworbene Verständnis über die Prozesse und Kriterien, die Behörden wie die DAkkS anwenden, können wir hilfreich bei anderen Siegeln einsetzen.